BIOGRAFIE

(Biography in English)

Georg Boomgaarden

Wer heute eine Geschichte auf die alte lineare Weise erzählt, so wie es Bücher tun, der geht an vielem vorbei, was unsere vernetzte Welt von heute ausmacht. Dies ist meine Geschichte, aber wie in der wirklichen Welt macht sie Sprünge, ist vermischt mit Gedanken und Erinnerungen, enthält Dichtung und Wahrheit.

Das Leben ist ein Garten der sich verzweigenden Pfade nach dem Titel einer Geschichte des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges, den ich 1981 in Buenos Aires getroffen habe.

Gemeinsam mit der Kulturreferentin der Botschaft, Anne Peters, besuchte ich Borges in seiner Wohnung an der Calle Maipú. An der Tür empfing uns Maria Kodama, die damals für Jorge Luis Borges sorgte. Borges saß in einem Lehnstuhl in seiner Bibliothek. Ich erinnere mich, dass er davon sprach, dass er sich gerade intensiver mit der altnordischen Literatur, vor allem der Edda, beschäftigt habe. Er war interessiert an Ernst Jünger, in dessen Werk er einige Motive sah, die auch ihn bewegten. Wir luden Borges zu einer Reise nach Deutschland ein. Ich würde mich freuen, Deutschland noch einmal zu sehen! – sagte der blinde Borges, und nahm die Einladung an. In Deutschland traf er auf seiner Reise dann auch mit Ernst Jünger zusammen.

Der deutsche Wikipedia-Beitrag ist sehr verkürzt. Hier ist der Link auf die englischsprachige Seite über Jorge Luis Borges, für diejenigen, die Spanisch können, hier der Link auf die spanischsprachige Seite über Jorge Luis Borges


Ein Lebenslauf ist der erste Fingerabdruck. Viele haben ihn angefordert, bevor sie sich auf mich eingelassen haben. Wen es interessiert, kann hier kurz zu meinem Curriculum Vitae abschweifen.

Mein In-der-Welt-sein begann am 24.Juni 1948 ungefähr um ein Uhr früh, als ich das Licht der Welt erblickte. Erst nachdem ich eigene Kinder und Enkel hatte, begriff ich wirklich, welches Wunder es ist, wenn ein neues menschliches Wesen auf die Welt kommt. Wir wissen mehr denn je über die Biologie des Lebens. Aber wie ein Neugeborenes Teil von uns wird, in Familie und Gesellschaft hinein wächst und sich zugleich zu einem einzigartigen Individuum herausbildet, das ist eine wunderbare Erfahrung.

Im Jahre 1948 war meine Mutter, Eva Boomgaarden, jung verheiratet mit meinem Vater, Hero Boomgaarden. Als ich zur Welt kam, fischte er gerade in den Küstengewässern nahe Greetsiel, als plötzlich die Kurbelwelle des Antriebs brach und das Boot in Seenot geriet. Zum Glück erreichte mein Vater nach einer schwierigen Bergung den sicheren Hafen.
Im Emder Stadtkrankenhaus lag die Geburtsstation damals acht Meter unter der Erde in einem Bunker. Die Stadt Emden war im Zweiten Weltkrieg heftig bombardiert worden, so dass das Krankenhaus in Schutzräume verlegt worden war.Zur Zeit meiner Geburt, drei Jahre nach Kriegsende, lag der größte Teil von Emden noch in Schutt und Asche.

Die ersten Wochen meines Lebens waren schwierig. Mein Gesundheitszustand war zerbrechlich. Ein Arzt sagte meiner Mutter ins Gesicht, dass sie nicht damit rechnen sollte, dass ihr Baby das erste Lebensjahr überlebt. Meine Großmutter, Marie Boomgaarden in Greetsiel, war ganz anderer Ansicht. Sie gab mir richtigen Ostfriesentee – eine starke Mischung von Teesorten, vor allem aus Indien. Die Probleme waren schnell vorbei. Meinem Großvater, Anno Boomgaarden, gehörte eine der zwei Bäckereien in Greetsiel, einem Dorf an der Nordseeküste. Damals lebten die Menschen dort vor allem von der Fischerei oder von der Landwirtschaft. Heute ist der Tourismus zu einer Haupteinnahmequelle geworden.


Als Diplomat habe ich oft Reden und Vorträge gehalten. Die Sammlung meiner Reden und Vorträge enthält vor allem solche Texte, die mir beim erneuten Lesen immer noch – oder wieder – als relevant auch für die heutige Zeit erschienen. Sie sind Ausdruck der Zeit, in der sie verfasst wurden, aber sie sind vielleicht auch ein Anstoß für neue Gedanken zu alten Themen.


Meine Postings werden immer wieder auch autobiografische Episoden enthalten, die unter der Kategorie BIOGRAFIE gesucht werden können. Erinnerungen sind natürlich sehr selektiv. Gestützt auf ein unzuverlässiges Gedächtnis können sie keinen Anspruch auf Objektivität erheben. Alte Briefe und Aufzeichnungen helfen, das Gedächtnis zu stützen. Aus einem Steinbruch von Erinnerungen und späteren Interpretationen, von Erlebtem und Hörensagen sind die biografischen Episoden entstanden.

Da kommt man auf die Welt und die anderen sind schon da: Mit großen Augen schaut das neue Wesen auf Eltern und Großeltern und einen großen Kreis von Verwandten. Unsere Familiengeschichte ist lückenhaft und die Kenntnis der Vergangenheit unserer Vorfahren sehr ungleich auf die Zweige der Familie verteilt.

Am ausführlichsten hat sich die Familie von Christianes Großmutter Anita Stockfleth um eine Übersicht über die Vorfahren bemüht. Die Stammtafeln der Hamburger Kaufmannsfamilie Stockfleth führen bis auf Karl den Großen und die Karolinger, den deutschen König Heinrich I., und auch frühe englische Könige wie Alfred von Wessex zurück. Über die Familie von Blücher gibt es ausgearbeitete Familiengeschichten. Christiane wird immer wieder gefragt, wie sie mit dem Blücher verwandt ist, der bei der Schlacht von Waterloo eine Rolle spielte. Die Antwort: Christiane stammt von einem Cousin des Feldmarschalls ab.

Die Familien Boomgaarden und Backer – die Vorfahren meines Vaters – waren sehr bodenständig in Ostfriesland. Einige Vorfahren kamen aus der Nähe von Groningen in Westfriesland. Mangels Unterlagen ist die Familiengeschichte auf Seiten meiner Mutter und der Familie von Christianes Mutter, die 1945 aus Ostpreußen floh, sehr lückenhaft. Der Vater meiner Mutter hatte zwar einige Unterlagen gesammelt, ließ diese aber bei der Flucht aus Ostpommern im Oktober 1945 zurück.

Im Laufe der Jahre habe ich einige kleine Geschichten geschrieben. Sie erheben keinen literarischen Anspruch, sondern sollen Spaß machen. Einige Geschichten sind unfertig und ich arbeite noch. daran. Ich schreibe die meisten Beiträge zugleich auf Deutsch und auf Englisch. Nicht alles übersetze ich wörtlich, vieles eher sinngemäß. Die Reden und Vorträge, die ich auf Deutsch, Englisch oder Spanisch (oder Russisch) gehalten habe, belasse ich in ihrer Originalsprache.