Gebt unseren Politikern glanzvollere Titel

Neulich fiel mir beim Kaffee die Zeitschrift GALA in die Hand. Es gab wunderbare bunte Fotos von Celebrities, vor allem von Royals aller Art, die offensichtlich auch 100 Jahre nach Abschaffung der Monarchie (und eigentlich auch der dazugehörigen Adelstitel) einen Teil der deutschen LeserInnen faszinieren.

Ich habe es in meiner beruflichen Laufbahn mit der spanischen und der britischen Monarchie zu tun gehabt, GALA-Leser dürfen mich gerne dafür beneiden, dass ich sowohl zur Hochzeit des heutigen spanischen Königs mit Letiza Ortiz als auch zur Hochzeit von Prinz William mit Kate Middleton geladen war. Monarchen ohne politische Macht können eine nützliche Rolle als Staatsoberhäupter spielen. Sie stehen außerhalb der tagespolitischen Kontroversen und geben den Menschen die Möglichkeit, sich mit realen Personen und Familien zu identifizieren – Glamour und Schönheit, aber auch Allzumenschliches und Klatsch machen den Staat persönlicher und nahbarer.

Republiken haben es gerne etwas nüchterner. Sie wurden oft gegen Monarchen erkämpft, die tatsächlich Macht hatten und ihre glamouröse Lebensführung kam das Volk oft teuer zu stehen. Davon abgesehen ist die Erblichkeit von Ämtern mit der Gleichheit aller Bürger kaum vereinbar.

Wie aber das könnte man das Bedürfnis nach schöner Repräsentation und Glamour mit republikanischen Prinzipien in Übereinstimmung bringen? In Frankreich sorgt die Garde Républicain und die Hofhaltung im Elysée-Palast für Glanz des französischen Präsidenten (der als einer der zwei Co-Prinzen Andorras zudem im Nebenjob auch Dyarch ist). In den USA hat der Präsident zumindest einige Statussymbole, die ihn fast wie einen Monarchen erscheinen lassen, und mehr Macht als viele Monarchen hat er auch. In beiden Republiken spielt der Glanz der First Lady (mit First Husbands gibt es noch keine Erfahrungen) eine wichtige Rolle.

In Deutschland muss sogar der Bundespräsident für das Budget der in der Verfassung nicht vorgesehehen First Lady kämpfen, deren Teilnahme an Staatsbesuchen und überhaupt am Amt durchaus erwartet wird. Unser Protokoll ist sehr sparsam, zur Identifikation durchaus ungeeignet.

Das könnte man ändern: Warum geben wir nicht den gewählten Spitzenpolitikern monarchische Titel? An „blaues Blut“ und Gottesgnadentum glaubt ohenhin niemand mehr, also kann eigentlich jeder Gewählte solche Titel tragen. Der Bundespräsident könnte zusätzlich auch den Kaisertitel führen, seine Frau wird zur Kaiserin, der Bundeskanzler könnte einen Königstitel erhalten und die Ministerpräsidenten jeweils der Größe und Bedeutung des Bundeslandes entsprechende Titel. In Bayern und Sachsen sollte es schon ein Königstitel sein. Die Chefs der Stadtstaaten könnten den Titel Patrizius führen, die anderen Länderchefs würden Herzöge, der Bundesratspräsident (wenn er nicht der bayerische König ist) wäre auf Zeit ein Großherzog.

Das mittelalterliche Deutschland kannte ja durchaus die Wahlmonarchie. Damals wählten nur die Kurfürsten, aber in Demokratien gab es ja auch Zeiten, wo Frauen oder Arme nicht mitwählen durften. Die Titel können als Wahlämter natürlich nicht erblich sein, aber man sollte den ehemaligen Herzögen durchaus einen Grafentitel, und ehemaligen Königen den Markgrafentitel auf Lebenszeit verleihen. Die ehemaligen Bundespräsidenten wären nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt Herzöge auf Lebenszeit. Entsprechende Roben und Krönchen könnten mehr Buntheit in das politische Geschäft bringen – man braucht sie ja nur bei Festakten zu tragen.

Damit entstünde auch eine Konkurrenz zu dem oft ziemlich dekadenten traditionellen Hochadel. Napoleon wusste schon, warum er dem alten royalen einen neuen kaiserlichen Adel zur Seite stellte. Das führte zu Bindungen, zu Loyalität.

Der Kaiser – und in Bayern auch der König – sollten auch das Recht bekommen, Titel des niederen Adels an verdiente Bürger zu verleihen – ähnlich wie es die Briten mit ihren Sir- und Lord-Titeln machen. Ähnlich wie in Großbritannien könnte damit auch die Verpflichtung zur kostenfreien Beratung der Regierung verbunden werden – man braucht ja nicht gleich ein House of Lords dafür einzurichten. Dann könnte mit dem Verdienstkreuz am Bande das „von“ zum Namen kommen, mit höheren Orden würde man Baron, Graf und als höchstes Fürst.

Natürlich würden dann eine große Zahl von neuen Adeligen bei uns herumlaufen. Sie alle könnten die Paparazzi entzücken, wenn sie heiraten, Kinder bekommen oder an der Côte d‘Azur Urlaub machen, dann wird das diskret verborgen, damit GALA und andere Presseerzeugnisse ein wenig das Gefühl von Ostereiersuchen bekommen und das Gefundene exklusiv berichten.

Die Folge wäre weit mehr Identifikation mit dem Staat. Jeder hat die Chance in den Adel aufzusteigen – das Erblichkeitsprinzip des alten Adels wird konterkariert und die Republik könnte auch mit Glanz und Gloria Feste feiern – ihre führenden Politiker könnten im Ausland als Gleiche auch unter Monarchen auftreten.

Für diesen Vorschlag erwarte ich natürlich auch einen Titel!

PS: Jemand meinte, der Kaisertitel müsste für Europa reserviert werden. Die Idee finde ich ganz gut, aber das könnte einen schlimmen Konflikt zwischen dem Präsidenten des Rates und dem Präsidenten der Kommission hervorrufen, also warte ich erst mal ab.

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