Partnerschaft deutscher und arabischer Intellektueller

an der deutschen Universität in Kairo habe ich am 20. November 2007 ein Kolloquium mit dem Titel „Universale Partnerschaft – welche Aufgaben stellen sich deutsche und arabische Intellektuelle in einer globalisierten Welt?“ eröffnet. Mir war daran gelegen, die Intellektuellen als solche anzusprechen und nicht – wie es im Rahmen der „Islamdialoge“ eingerissen war, als „muslimische Gesprächspartner“. Absichtlich erwähne ich die Religion der Teilnehmer nicht. Wir würden ja auch befremdet reagieren, wenn jemand damals Günter Grass als „christlichen Schriftsteller“ vorgestellt hätte. Der Verlauf des Kolloquiums zeigte wie zu erwarten, dass zwischen Intellektuellen weit mehr gemeinsames als trennendes existiert – Dialog bereichert – aber eben nur, wenn es ein Dialog auf Augenhöhe ist und nicht eine Konkurrenz von Wahrheitsmonopolen.

Die Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes hatte mir eine Eröffnungsrede vorbereitet. Nach ersten Gesprächen noch vor der Veranstaltung habe ich die Rede komplett umgeschrieben. Hier der Text:

Der „Dialog der Kulturen“ gehört heute zum Repertoire wohlmeinender Politiker. Das ist gut so. Aber wir sollten etwas genauer hinsehen. Was für ein Dialog soll das sein? Wer soll ihn führen? Und welche konkreten Ergebnisse kann man sich von so einem Dialog erhoffen?

Sind Kulturen nicht viel zu vielfältig, als dass man sie quasi als Identitäten gegenüberstellen kann? Ist es nicht vielmehr so, dass die beste Art der Begegnung die gegenseitige Kontamination der Menschen aus unterschiedlichen Traditionen und Erfahrungen ist – so wie Kwame Appiah sagte? Dieser ghanaische Philosoph wirbt für ein Weltbürgertum, das eigenes und anderes verknüpft. Weltbürgertum ist für ihn Universalität plus Unterschied.

Der deutsche Außenminister Frank Steinmeier hat einmal gesagt: „Wir brauchen keinen Dialog der Kulturen, sondern eine Kultur des Dialogs.“ Gerade im europäisch-arabischen Verhältnis sollten wir diese Kultur des Dialogs entwickeln. Wir müssen neue Foren für den Dialog zwischen Intellektuellen und Meinungsführern unserer beiden Regionen schaffen. Dabei soll es nicht um die Behandlung unserer zivilisationstheoretischen Phantomschmerzen gehen, sondern um gemeinsame Erfahrungen ebenso wie um die Gestaltung der gemeinsamen Zukunft. In der Regel spricht man die Menschen viel besser an, wenn es um konkrete Probleme geht, die auch mit dem alltäglichen Leben in ihrem Land etwas zu tun haben – Probleme, die wir gemeinsam haben und lösen müssen.

Die Globalisierung hat dazu geführt, dass viele Herausforderungen überall auf der Welt ähnlich sind. Von einem Austausch mit anderen Kulturen können wir also lernen, wie die anderen ihre Probleme bewältigen.

In Europa wie in Arabien hat das gedruckte Wort eine ganz besondere Tradition und einen besonders hohen Stellenwert. Autoren und Leser trennen keine Inhalte, sondern allenfalls die Sprache. Wichtig ist deshalb besonders die Förderung von Übersetzungen in beide Richtungen. Geistes- und sozialwissenschaftliche Literatur gehört ebenso dazu wie die Belletristik. Und warum sollte man nicht trotz der überwiegend englischsprachigen Publikationen grundlegende Werke der Natur- und Ingenieurwissenschaften aus dem Deutschen in die Landessprachen. übersetzen.

Auch der Film, der Journalismus, die bildenden und die darstellenden Künste verbinden die Menschen. Unser Ziel muss es sein, gerade die Intellektuellen über das Mittelmeer hinweg miteinander in Kontakt zu bringen. Es darf nicht das Gefühl entstehen, die Diskurse in der jeweils anderen Region gingen die anderen nichts an. Denn das Gefühl der Fremdheit ist wahrscheinlich die Hauptursache für Misstrauen und Missverständnisse, die sich bisweilen in Angst, ja sogar in Hass und Gewalt entladen können.

Die deutsche auswärtige Kulturpolitik möchte den Boden für die Begegnung bereiten und – wo er noch nicht existiert – gerne anlegen. Wir möchten, dass das Gespräch über den Kreis von Künstlern und Intellektuellen hinaus geht und hilft, auch in anderen Politikbereichen eine gemeinsame Sprache zu finden: in der traditionellen Außen- und Sicherheitspolitik, in der internationalen Wirtschaftspolitik, in der Medien- und Informationspolitik. Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Glaubwürdigkeit auf allen Seiten sind hierfür wesentliche Bedingungen

Von einem solchen Wettbewerb der Gedanken und Ideen können alle Beteiligten profitieren. Voraussetzung ist natürlich immer, dass die Ideen und Gedanken sich frei entfalten können. Staatliche Repression, religiöse Engstirnigkeit oder andere Einschränkungen der Meinungsfreiheit hemmen auch die geistige und kulturelle Entwicklung.

Als Beispiel für ein solches Forum kann die heutige Diskussion dienen: fünf arabische und fünf deutsche Künstler, Wissenschaftler und Schriftsteller diskutieren über die Rolle, die Aufgaben, und die Agenda der Intellektuellen in der globalisierten Welt.

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